Hilpoltstein (bb) – Ein „Schicksalsspiel“ ist es sicher noch nicht. Aber wegweisend dürfte das Match des Tischtennis-Zweitligisten TV Hilpoltstein bei den Passauer Fortunen schon sein. Gewinnen morgen (14 Uhr) Bindhammer und Co zum ersten Mal in der Höhle des Löwen, haben sie sich ins Mittelfeld abgesetzt. Verlieren sie, laufen sie Gefahr, am Ende der Rückrunde auf einem Abstiegsplatz zu stehen.
Beide Teams hätten sich den bisherigen Saisonverlauf anders vorgestellt. Der neunte Tabellenplatz, auf dem Passau mit nur drei Punkten dahindümpelt, war vor der Saison undenkbar für die Niederbayern, die in den vergangenen Jahren immer in der Spitzengruppe der 2. Liga zu finden waren. Die Hilpoltsteiner haben sich mit ihrer unnötigen Heimniederlage gegen Saarbrücken selbst um eine bessere Platzierung und in Abstiegsnöte gebracht. Da Passau das leichtere Restprogramm hat, kann es durchaus sein, dass beide Mannschaften nach der Vorrunde die Plätze getauscht haben.
Die Experten sprechen zwar von der stärksten 2. Bundesliga aller Zeiten, aber Hilpoltstein als möglicher Absteiger hatte niemand auf der Rechnung – Passau schon gar nicht. Beide Teams haben sich gegenüber der letzten Saison nur an einer Position verändert: für „Jungstar“ Philipp Floritz kam auf Hilpoltsteiner Seite Jakub Kleprlik ins vordere Paarkreuz, dessen Zwillingsbruder Michal die Fortunen für den Ägypter Ali Walaah Hazaah ziehen ließen. „Kuba“, wie sie den besseren Kleprlik in Hilpoltstein nennen, hat als neue Nr. 1 die Erwartungen der Mittelfranken durchaus erfüllt: bisher 6:6-Siege sind diesem starken Feld angemessen. Der Ägypter hat im hinteren Paarkreuz mit 5:4-Siegen bisher auch nicht enttäuscht.
Enttäuschend allerdings das vorher so starke Hilpoltsteiner mittlere Paarkreuz. Andras Podpinka (5:6) und Tomas Demek (4:6) konnten bisher bei weitem nicht an ihre Leistungen der Vorsaison anknüpfen, als sie für fast alle Gegenüber ein Bollwerk waren. Dass ihre Passauer Gegner Jürgen Hegenbarth (6:6) und Michael Plattner (4:6) bisher auch keine Bäume ausgerissen haben, ist nur ein schwacher Trost. Man darf gespannt sein, ob für die erfahrenen Hilpoltsteiner die „Zeit der Wiedergutmachung“ gekommen ist.
Im vorderen Paarkreuz gehen die Gäste mit einem dicken Statistik-Plus ins Rennen. Alexander Flemming, mit 9:3-Siegen bis dato überragend und drittbester Spieler der Liga, sowie Jakub Kleprlik haben gegen dessen tschechischen Landsleute Tomas Sadilek (5:9) und Martin Pytlik anscheinend die bessere Form – was allerdings noch nichts über das tatsächliche Ergebnis in diesem nervenaufreibenden „Kellerduell“ aussagt. Ähnlich in den Doppeln: Auch hier haben die Hilpoltsteiner einen scheinbaren Vorteil: 7:12-Siege ist zwar nicht wirklich gut, aber immer noch besser als die Passauer Zwischenbilanz, die mit 6:17 in der Tat enttäuschend ausfällt.
Wer am Samstagabend enttäuscht ist, wird man sehen. Gemeinsam feiern werden die Gegner, die im richtigen Leben Freunde sind, nach dem Spiel auf jeden Fall – ganz gleich, auf welchem Platz sie dann stehen.

