(mu) – Die zweite Mannschaft des TV Hilpoltstein hat ihr großes Ziel Bayernligaaufstieg im dramatischen Relegationsfinale denkbar knapp verpasst: nach einem viereinhalbstündigen Tischtenniskrimi, den auch Hitchcock kaum besser hätte schreiben können, fehlten am Ende wenige Sätze zum Erfolg: nach dem unterm Strich leistungsgerechten 8:8 wurden nämlich die Sätze ausgezählt, und hier war der gastgebende TTC Creussen mit 36:31 knapp besser.
So wurde der anfangs viel zu ehrfürchtig agierende TV Hilpoltstein leider nicht für seine bemerkenswerte Aufholjagd belohnt: nach einem Kaltstart lagen die Gäste schnell mit 1:5 und 3:6 hinten, taten aber auch beim Stande von 4:8 alles dafür, für einen gelungenen Saisonabschluss zu sorgen. So spielte zunächst Tobias Mulack wie entfesselt auf gegen Ex-Bundesligaakteur Peter Betsch und hielt diesen mit sehr aggressivem Spiel überraschend mit 3:1 nieder. Mehr Dramaturgie als in den beiden Abschlusseinzeln der Saison geht dann nicht mehr: Uli Eckert spielte sich in einem hochdramatischen Duell mit dem starken Linkshänder Carsten Allwicher in seinen gefürchteten Kampfmodus und bog dabei sogar einen zwischenzeitlichen 0:9-Rückstand im dritten Satz um. Im letzten Satz hatten beide Akteure unzählige Matchbälle, ehe der Schwabe im Hilpoltsteiner Trikot haarscharf zum 17:15 vollendete.
Kaum zu glauben, aber im letzten Einzel der Saison sollte es nebenan noch dramatischer zugehen: der 12jährige Hannes Hörmann und der etwa vier Jahrzehnte ältere Ex-Zweitligacrack Gerd Tretter spielten sich gute fünf Sätze lang zahllose hochklassige Bälle um die Ohren. Am Ende sollte sich das Toptalent des TV Hilpoltstein als noch zäher erweisen: nach einigen glücklichen Punktgewinnen seines Gegners siegte der Schüler schließlich mit 19:17 im letzten Satz. So ging es ins Schlussdoppel, das – passend zur Dramaturgie der gesamten Saison – ebenfalls in den Entscheidungssatz gehen sollte: hier setzte sich das TV-Duo Golavsek/Frisch in einem äußerst kurzweiligen Duell gegen Schwarz/Betsch durch.
Zu Beginn des Aufstiegsfinals waren die Oberfränkischen Gastgeber der klare Herr im Ring: Alexander Christoph und Tobias Mulack unterlagen im Zweierdoppel vermeidbar knapp mit 1:3 gegen das Topduo Schwarz/Betsch. Überraschender allerdings aus TV-Sicht, dass nebenan Jaka Golavsek und Rainer Frisch gegen Bergmann/Tretter in einem hochklassigen Spiel mit 2:3 unterlagen – ein erstes Break zugunsten der Gastgeber. Umso wichtiger, dass das ungleiche Dreierdoppel mit Routinier Uli Eckert und Jungspund Hannes Hörmann knapp in fünf Durchgängen gegen Schneider/Allwicher den ersten TV-Zähler besorgte.
Ein weiteres nicht eingeplantes Break folgte gleich zu Beginn der Einzel: ein ungewohnt gehemmter Topmann Jaka Golavsek unterlag dreimal mit zwei Zählern Unterschied dem wie entfesselt aufspielenden Schwarz. Nachdem Rainer Frisch keinen Stich machte gegen seinen früheren Dauergegner Martin Bergmann und Youngster Alexander Christoph der Routine von Peter Betsch nur am Anfang etwas entgegensetzen konnte, führte der Bayernligist schnell mit 5:1.
Nun sollte ein glänzend aufgelegter Tobias Mulack in der Mitte brillieren: ehe er Betsch entzauberte, hatte er nämlich schon gegen den jungen Dreier Schneider eine ganz feine Leistung abgeliefert: geringe Fehlerquote, hohe Sicherheit und ein konsequentes Aufschlag-Rückschlag-Spiel brachten ihm einen verdienten wie nicht eingeplanten Erfolg im ungewohnten mittleren Paarkreuz.
Hinten unterlag Uli Eckert im Duell der Routiniers gegen Tretter knapp mit 1:3, derweil sein junger Nebenmann eindrucksvoll demonstrierte, wie weit er schon ist für sein Alter: gerade erst 12 Jahre alt geworden, hatte er mit Linkshänder Allwicher einen der stärksten Akteure im hinteren Paarkreuz zum Gegner: nachdem der wohlerzogene Bub häufig mit Rückständen zu kämpfen hatte, biss er sich zurück ins Spiel und triumphierte verdient mit 3:1.
Nach dem 3:6 unterlag Rainer Frisch relativ glatt gegen Schwarz, während Jaka Golavsek sich in einem Spiel mit sehenswerten Ballwechseln für seine Auftaktpleite rehabilitierte.
Alexander Christoph hatte in der Folge viel Pech gegen Schneider, ließ sich aber nie unterkriegen, wenngleich er mit dem knappsten aller Ergebnisse unterlag: 9:11 im fünften Satz. Trotzdem eine tolle Leistung der Gymnasiasten, der sich am Ende der Saison nochmal ordentlich gesteigert hat.
Am Ende war die Enttäuschung natürlich groß, hatte man sich doch so teuer verkauft und mit so viel Einsatz zurück ins Spiel gebissen. Dennoch kann Uli Eckert stolz sein auf seine Mannen, denn selten zuvor hatte man eine so imposante Mischung aus Jung und Alt gepaart mit tollem Teamgeist in der Zweiten. Nun gilt es die kommenden Tage und Wochen abzuwarten, obgleich man sich mehr als geringe Hoffnungen machen darf, trotz der knappen Niederlage noch aufzurücken in die Bayernliga.

