Hilpoltstein (bb) - Die Tischtenniscracks des TV Hilpoltstein stehen vor einer weiteren Rekordmarke. Nach fünf Spielen ohne Niederlage muss der Zweitligist am kommenden Wochenende dreimal hintereinander auswärts antreten: zum ohnehin geplanten Doppelstart in Tegernheim am Samstag (15 Uhr) und in Grünwettersbach am Sonntag (14:30 Uhr) kommt am heutigen Freitag das Nachholspiel (verlegt vom 12.2.) beim 1.FC Saarbrücken dazu (19 Uhr). 1.500 Kilometer in drei Tagen, weit über 30 Stunden unterwegs und dann noch sportliche Höchstleistungen bringen: Wenn sie das schaffen und dann sogar noch ein paar Punkte mitbringen, haben die Hilpoltsteiner im sechsten Jahr ihrer Zweitliga-Zugehörigkeit ihr Gesellenstück abgeliefert.
Das Team um Spitzenspieler Alexander Flemming hat durchaus Chancen, von seiner weiten Reisen etwas Zählbares mitzubringen. Gegen Saarbrücken zum Beispiel sinnen die Mittelfranken auf Revanche. Die 7:9-Heimniederlage aus der Vorrunde schmerzt heute noch. Kapitän Möst, der damals verletzungsbedingt fehlte: „Das war enttäuschend und hat uns schwer zurückgeworfen“. Inzwischen haben sich die Hilpoltsteiner gefangen, sie stehen mit nur einem Minuspunkt sogar an der Spitze der Rückrundentabelle.
Wenn ihr Siegeszug weder von der Saarbrückener Erstliga-Reserve, die sie mittlerweile um sieben Punkte distanziert haben, noch einen Tag später vom FC Tegernheim gestoppt wird, könnten die Hilpoltsteiner ihrem Wunschtraum, in der vorderen Tabellenhälfte zu landen, ein gutes Stück näherkommen. Denn auch ein Erfolg beim dreifachen Zweitligameister Tegernheim wäre wirklich keine Sensation mehr.
Die Oberpfälzer Nachbarn – Tegernheim liegt nur gut 100 Kilometer von Hilpoltstein entfernt vor den Toren Regensburgs – sind in der Rückrunde nach fünf Spielen noch gänzlich ohne Punktgewinn. Kein Wunder, ist doch ihre bisherige Nummer 2, der Chilene Marcello Aguirre, 18, nach der Vorrunde einfach in seinem Heimatland geblieben. Jetzt müssen die Tegernheimer ohne zweitliga-tauglichen Ersatz quasi zu Fünft antreten, was weder den Mitspielern, noch den Verantwortlichen, geschweige den wenig verbliebenen Zuschauern gefällt. Es ist sogar ein Niedergang des einstigen Spitzenteams zu befürchten. Dies wäre aus Hilpoltsteiner Sicht schade, denn die Duelle mit dem nahen Rivalen waren in den letzten Jahren meist hochklassig und spannend. Ein knisterndes bayerisches Derby würde also entfallen – schlecht für den Tischtennissport.
So trübe Gedanken hegt man in Grünwettersbach, einem Vorort von Karlsruhe, nicht. Im Gegenteil: die badische Elite-Truppe peilt den Titel des Vizemeisters an. Sie liefert sich wohl am ehesten mit dem TTC Weinheim ein Duell um den 2. Tabellenplatz. Am letzten Wochenende spielten die beiden Top-Teams 8:8 gegeneinander, wenige Wochen zuvor hatte Hilpoltstein in Weinheim 9:7 gewonnen. Haben die Mittelfranken also tatsächlich eine Chance beim derzeitigen Tabellendritten? Wenn man den Kapitän fragt, ja: „Wir haben gegen jede Mannschaft eine Chance. Wer schon vor dem Spiel aufgibt, gewinnt keinen Blumentopf!“ So fahren die Burgherren auch mit breiter Brust nach Karlsruhe – wenn sie denn zuvor vor Erschöpfung nicht eingeschlafen sind...

