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Knapp an Sensation vorbeigeschrammt

Hilpoltstein (bb) – Der große Favorit setzte sich am Ende durch, doch auf dem Weg zum Ziel bekam die so strahlend weiße Weste des TTC Frickenhausen einige Flecken ab. Bei der Vorrunde zum DTTB-Pokal im Tischtennis mussten sich die Schwaben in Hilpoltstein mehr strecken, als ihnen lieb war, und die Stars aus der erweiterten Weltrangliste merkten schon bald, dass auch in der 2. Bundesliga sehr guter Tischtennissport geboten wird.

Gleich im ersten Spiel gegen die Gastgeber aus Mittelfranken wäre der deutsche Meister, Pokalgewinner und Europapokalsieger des Jahres 2008 um ein Haar gestrauchelt. Ihren 3:1-Sieg – die Pokalrunde wird im System der 1. Bundesliga ausgetragen, also mit drei Spielern im Einzel und einem Schlussdoppel beim Stand von 2:2 - gegen die sich mächtig wehrenden Hilpoltsteiner verdanken sie vor allem zwei Spielern: dem überragenden polnischen Nationalspieler Jakub Kosowski, der in der letzten Saison noch dem Rivalen SV Plüderhausen mit einer 13:6-Bilanz den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga gesichert hatte, sowie dem überraschend starken, erst 19-jährigen „Ersatzmann“ Benedek Oláh, der Nr. 1 Finnlands.

Oláh profitierte dabei von der großen Nervosität des Hilpoltsteiner Neuzugangs Jakub Kleprlik, der in seinem ersten Spiel im Hilpoltsteiner Trikot alles besonders gut machen wollte, aber vor den gut 100 erwartungsfrohen Tischtennisfans ein bisschen verkrampfte und deshalb im vorentscheidenden Match gegen den allerdings sehr starken Oláh mit 2:3 Sätzen unterlag. Hätte der neue Hilpoltsteiner Spitzenspieler gegen die nominelle Nummer 5 der Frickenhausener Startruppe gewonnen – wer weiß, ob der Favorit bei einer 2:1-Führung für Hilpoltstein nicht zittrige Knie bekommen hätte, denn im anschließenden Spiel der „Altstars“ gab es tatsächlich eine faustdicke Überraschung.

Torben Wosik, 36, als deutscher Meister des Jahres 2008, Vize-Europameister im Einzel und  Vize-Weltmeister mit der Mannschaft eigentlich als „unschlagbar“ angesehen, verlor gegen Hilpoltsteins Nr. 3 Andras Podpinka, 42, obwohl der erst eine Stunde vor Spielbeginn nach einer siebenstündigen Nachtfahrt von einem Jugend-Lehrgang aus Ungarn in Hilpoltstein eingetroffen war. Doch Podpinka, in den 90er Jahren selbst Mitglied der absoluten Weltklasse, spielte im besten Match der gesamten Veranstaltung seine große Routine aus, düpierte den 70-fachen deutschen Nationalspieler mit blitzschnellen Reaktionen nah am Tisch ein ums andere Mal und zeigte der aktuellen Nr. 76 der Weltrangliste, dass es selbst im mittleren Paarkreuz der 2. Bundesliga ausgezeichnete Spieler gibt. Die Zuschauer waren angesichts vieler fantastischer Ballwechsel jedenfalls aus dem Häuschen und feierten den Hilpoltsteiner Jugendtrainer mit minutenlangem Beifall.

Indes: Frickenhausen hatte in Jakub Kosowski den überragenden Akteur dieses langen Tischtennistages, denn nach Alexander Flemming im ersten Einzel der Begegnung ließ er auch Jakub Kleprlik, der durch das harte Konditionstraining in Vorbereitung auf die Europameisterschaften in Ostrava sichtlich in seinen Bewegungsabläufen behindert war, keine Chance. So stand es letztlich 3:1 für Frickenhausen, das finale Doppel, in dem sich die Hausherren mit der eingespielten Paarung Flemming/Podpinka durchaus etwas ausgerechnet hätten, fand nicht mehr statt, Frickenhausen stand im Halbfinale.

Dort trafen sie mit dem TTC Fortuna Passau, der durch ein Freilos direkt qualifiziert war, auf eine Spitzenmannschaft der 2. Bundesliga – und taten sich ebenfalls schwer. Zwar ließ Torben Wosik dem 41-jährigen „Altmeister“ Jürgen Hegenbarth im ersten Spiel keine Chance, doch der langjährige bayerische Spitzenspieler Hegenbarth, mit dem ATSV Saarbrücken selbst einmal deutscher Mannschaftsmeister, hätte um ein Haar dem großen Kosowski dessen einzige Niederlage beigebracht. Mit großem Kampfesmut und blitzschnellen Kontern zwang „Hegi“ einen der besten Erstliga-Akteure der letzten Saison in den Entscheidungssatz, wo er etwas unglücklich in der Verlängerung unterlag. Auch hier wäre es nach dem erwarteten Sieg von Tomas Sadilek über Oláh 2:2 gestanden, und das Doppel hätte entscheiden müssen.

So zog der Favorit Frickenhausen ins Finale ein, wo mit der Reserve des Erstligisten 1.FC Saarbrücken die Überraschungsmannschaft des Tages wartete. Begünstigt durch eine etwas glückliche Auslosung, aber auch mit tollen Leistungen ihrer jungen Neuzugänge Cedrik Nuytinck, 17, und Bojan Crepulja, 19, brachten die Saarländer die Stars aus dem Schwabenland mehr ins Schwitzen, als diesen lieb war. Fünf in der Verlängerung gewonnene Sätze machten schließlich den Unterschied aus: Frickenhausen wurde seiner Favoritenrolle gerecht und trifft in der 1. Hauptrunde zu Hause auf das junge Erstligateam der TG Hanau, wo der Ex-Hilpoltsteiner Philipp Floritz seine Trainingszelte aufgeschlagen hat. Floritz’ neuer Verein SV Plüderhausen verzichtete im ersten Punktspiel allerdings auf die spektakulären Künste des einstigen bayerischen Jungstars und verlor in Fulda unglücklich mit 2:3.

Einige ausgewählte Spiele der DTTB-Pokal-Vorrunde in Hilpoltstein, von der das Internet-Portal www.tt-total.tv im Lauf der Woche Ausschnitte zeigen wird:

Viertelfinale: TTC Frickenhausen – TV Hilpoltstein 3:1  Kosowski – Flemming 11:6, 11:8, 11:8; Oláh – Kleprlik 11:4, 9:11, 11:8, 4:11, 11:3; Wosik – Podpinka 11:5, 7:11, 9:11, 11:7, 9:11; Kosowski – Kleprlik 11:4, 11:7, 11:3.

Halbfinale: TTC Fortuna Passau – TTC Frickenhausen 1:3  Hegenbarth – Wosik 9:11, 6:11, 5:11; Pytlik – Kosowski 9:11, 5:11, 4:11; Sadilek – Oláh 11:8, 11:8, 11:9; Hegenbarth – Kosowski 8:11, 9:11, 11:8, 11:8, 10:12.

Finale: TTC Frickenhausen – 1.FC Saarbrücken II 3:0  Kosowski – Crepulja 17:15, 12:10, 11:8; Oláh – Nuytinck 11:5, 9:11, 14:12, 4:11, 12:10; Wosik – Dickhardt 4:11, 11:9, 11:4, 11:7.