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Frühlingsgefühle an der Bergstraße

Hilpoltstein (bb) – Die Tischtennis-Asse des TV Hilpoltstein haben derzeit etwas, was ihnen in ihrer fünfjährigen Bundesliga-Zugehörigkeit völlig fremd war: einen Lauf. Mit einem sensationellen 9:7 beim Tabellendritten TTC Weinheim feierten die von sich selbst überraschten Mittelfranken einen geradezu „historischen“ Sieg: Noch nie sind sie eine Rückrunde mit zwei Erfolgen gestartet, noch nie haben sie gegen eine so starke Mannschaft gewonnen – und das auch noch auswärts.

Nach dem 9:4 im Bayernliga-Derby gegen Passau verblüfften die als klare Außenseiter ins 13 Grad warme Weinheim angereisten Hilpoltsteiner die 150 Zuschauer ein ums andere Mal. Die zahlreich mitgereisten Hilpoltsteiner Fans – einige bekamen richtige Frühlingsgefühle, die andere waren eher einem Herzinfarkt nahe – erlebten eine Heiß-Kalt-Dusche nach der anderen: Im Eingangsdoppel hatten die Altmeister Podpinka/Demek drei Matchbälle gegen sich, ehe sie ihren eigenen vierten zum 15:13 gegen Schlichter/Baum, eines der besten Doppel der Liga, verwandelten. Flemming/Kleprlik mussten zweimal in die Verlängerung, um das Weinheimer Zweier-Doppel Ionescu/Jost niederzuhalten.

Andras PodpinkaIm Dreier-Doppel war für Möst/Hoffmann nichts drin, und auch im vorderen Paarkreuz gingen die Hilpoltsteiner leer aus. Das lag weniger an ihrer eigenen Schwäche als an den konstant aufspielenden badischen Spitzenleuten: Jörg Schlichter, bei deutschen Meisterschaften Doppelpartner von Alex Flemming, mit dem zusammen er 2009 den Titel gewann, durchbrach die Siegesserie seines Freundes Flemming mit einem 3:2-Erfolg. Und als auch der so geschmeidige und schnelle Rumäne Ovidiu Ionescu beiden Hilpoltsteiner Spitzenspielern den Zahn gehörig gezogen hatte, sahen die ihre Felle davonschwimmen.

Doch endlich zeigte das in der letzten Saison so gute mittlere Paarkreuz der Hilpoltsteiner seine wahre Stärke: Andras Podpinka präsentierte sich seinen verblüfften Anhängern zum ersten Mal, seit er in Hilpoltstein ist, in Siegerpose, nachdem er zwei dramatische Spiele jeweils nach 0:2-Satzrückstand noch umgebogen hatte, und Tomas Demek ließ einem keineswegs schlechten Björn Baum letztlich keine Chance: Aus einem klaren 7:4-Vorsprung für Weinheim war ein knappes 7:6 geworden. Doch jetzt schlug die Stunde für Hilpoltstein.

Alexander Möst kämpfte bei seiner Saisonpremiere mit Routine, Leidenschaft und am Schluss mit ungewohnter Gelassenheit sein Gegenüber Tim Klumpp nieder, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Noch sicherer Manuel Hoffmann: der 17-jährige Schüler aus Neumarkt, bereits seit vier Jahren in Hilpoltstein und für den grippekranken Felix Bindhammer in letzter Sekunde ins Team gerutscht, bewies seine immensen Fortschritte in den letzten Monaten mit einem souveränen 3:0 gegen den ein Jahr jüngeren Frederick Jost. Die Gäste führten plötzlich mit 8:7 und konnten die Sensation schaffen. Doch im Schlussdoppel stand es schnell 2:0 für Schlichter/Baum, es sah alles nach einem Remis aus, die Weinheimer hatten im dritten Satz sogar drei Matchbälle. Was dann geschah, war unglaublich: Flemming/Kleprlik spielten plötzlich wie in Trance, brachten die unmöglichsten Bälle auf den Tisch und siegten schließlich in einem Match voller Rasse und Klasse mit 3:2. Der Sieger hieß tatsächlich TV Hilpoltstein, der jetzt eine glänzende Ausgangsposition für weitere Husarenstücke hat. Wenn er seinen Höhenflug denn wirklich glauben mag...

TTC Weinheim – TV Hilpoltstein 7:9  Schlichter/Baum – Podpinka/Demek 8:11, 3:11, 11:4, 11:6, 13:15; Ionescu/Jost – Flemming/Kleprlik 5:11, 10:12, 10:12; Wan/Klumpp – Möst/Hoffmann 11:6, 11:7, 11:6; Schlichter – Kleprlik 11:8, 5:11, 8:11, 11:6, 11:6; Ionescu – Flemming 11:5, 11:7, 11:9; Wan – Demek 11:9, 11:9, 6:11, 11:1; Baum – Podpinka 11:8, 11:9, 4:11, 6:11, 10:12; Klumpp – Hoffmann 12:10, 13:15; 10:12, 11:3, 11:5; Jost – Möst 11:5, 9:11, 10:12, 6:11; Schlichter – Flemming 11:4, 11:7, 8:11, 4:11, 11:6; Ionescu – Kleprlik 11:7, 5:11, 11:8, 11:9; Wan – Podpinka 11:7, 11:9, 3:11, 8:11, 7:11; Baum – Demek 9:11, 3:11, 12:14; Klumpp – Möst 11:4, 11:7, 7:11, 8:11, 9:11; Jost – Hoffmann 5:11, 8:11, 7:11; Schlichter/Baum – Flemming/Kleprlik 11:8, 11:8, 11:13, 6:11, 9:11.