(bb) – Das bayerische Derby als letztes Saisonspiel – eigentlich sollte es für die Tischtenniscracks des TV Hilpoltstein zu einem „normalen“ Highlight werden. Jetzt könnte es sein, dass sie das Zünglein an der Waage bei der spannenden Frage spielen müssen, ob es aus der 2. Bundesliga Süd überhaupt einen Aufsteiger in die 1. Tischtennis-Bundesliga (DTTL) gibt. Ihr Gegner am Sonntag um 14 Uhr (Begrüßung 13:40 Uhr) ist der TSV Gräfelfing.
Die Oberbayern haben sich als einziger Verein aus dem Süden überhaupt um eine Lizenz in der DTTL beworben. Voraussetzung für den Aufstieg ist neben der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit jedoch auch eine Platzierung unter den ersten Drei der Abschlusstabelle. Und da könnte es noch eng werden, denn der jetzige Tabellenzweite hat das rettende Ufer noch nicht erreicht.
Aus den beiden restlichen Spielen gegen den Tabellenführer Tegernheim (am Samstag zu Hause) und gegen den TV Hilpoltstein (am Sonntag auswärts) benötigt die Gräfelfinger Truppe um den legendären Kapitän Martin Schauer mindestens noch einen Sieg, um sicher zu gehen, dass es mit dem Aufstieg auch wirklich klappt. Ansonsten könnten neben Tegernheim auch noch der Post SV Mühlhausen und der TTC Fortuna Passau am TSV Gräfelfing vorbeiziehen – es wäre definitiv das Aus für die Aufstiegsträume der Oberbayern.
Und ausgerechnet jetzt hat sie das Pech eingeholt: Martin Schauer fällt wegen einer schweren Ellenbogenverletzung, die er sich beim dramatischen 9:6-Sieg in Mühlhausen zugezogen hat, für ein halbes Jahr aus und beendet seine Bundesliga-Karriere. Doch auch Tegernheim, das am Sonntag ebenfalls um 14 Uhr gegen den TTC Passau kämpft, muss einen schweren Ausfall verkraften: David Marek, sieben Jahre lang Publikumsliebling in Hilpoltstein, wurde wegen eines dummen Dopingfalls (vermutlich Aufputschmittel nach einer Disconacht) bei den tschechischen Meisterschaften für zwei Jahre gesperrt – das dürfte es für den so sympathischen Tschechen mit dem Profisport gewesen sein.
Nachdem auch der TTC Fortuna Passau – am Sonntag zu Gast in Tegernheim – auf seinen zuverlässigen Punktesammler Tomas Pristal verzichten muss, kann nur der TV Hilpoltstein in Bestbesetzung antreten – allerdings mit Trainingsrückstand. Tomas Demek und Andras Podpinka drücken seit Wochen das Krankenbett, und Philipp Floritz absolviert gerade bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr seine Grundausbildung – schwitzen im schweren Gelände statt in der Trainingshalle!
Für Jung-Nationalspieler Floritz, der zum vorerst letzten Mal das Trikot des TV Hilpoltstein trägt, könnte der Sonntagnachmittag dennoch zu einem Höhepunkt seiner bisherigen Karriere werden. Die besten Fans der Liga – Hilpoltstein wird zum fünften Mal hintereinander Tabellenerster in der Zuschauertabelle und damit erneut „König der Herzen“ sein – werden den 18-Jährigen mit der so spektakulären Spielweise vor dem Match gebührend verabschieden. Schließlich hat der „Shooting-Star“ des deutschen Tischtennissports dem mittelfränkischen Vorzeigeverein viele positive Schlagzeilen beschert. Als bayerischer Einzelmeister der Herren, deutscher Jugendmeister im Doppel, Vize-Europameister im Jungen-Einzel und Vize-Weltmeister mit der Mannschaft sowie als „Sportler des Jahres im Landkreis Roth“ hat er in den zwei Jahren beim TV Hilpoltstein dessen Tischtennis-Geschichte umgeschrieben – mit positivem Ausgang. Jetzt strebt der junge Mann nach Höherem. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass man ihn in Hilpoltstein, wo er sich zwei Jahre lang pudelwohl gefühlt hat, bald wiedersieht.

