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Zum Jubiläum glückliches Herzschlagfinale - eine Bilanz

Hilpoltstein (bb) – Wenn die Cracks des TV Hilpoltstein Bilanz ziehen, können sie ein dickes Ausrufezeichen hinter eine faszinierende Saison setzen. In der 3. Tischtennis-Bundesliga waren sie zu fast jedem Zeitpunkt das Maß aller Dinge, sie gewannen von 18 Begegnungen sieben mit dem höchstmöglichen Ergebnis von 6:0, hatten am Ende ein viel besseres Spielverhältnis als der punktgleiche Tabellenzweite 1. FC Saarbrücken und wurden letztlich verdient Meister in der erstmalig durchgeführten 3. Bundesliga.

Dennoch mussten sie bis zum Schluss zittern: Nach der unglücklichen und viel zu hohen 1:6-Niederlage am drittletzten Spieltag gegen den saarländischen Rivalen flatterten auf einmal bedrohlich die Nerven. Doch das ging auch den Saarländern so: Als das Bindhammer-Team gegen Neckarsulm am Rande eines verhängnisvollen Punktverlustes stand, verspielte Saarbrücken in Mainz gleich acht  Matchbälle und ließ die als große Außenseiter in die Saison gestarteten Hilpoltsteiner noch vorbeiziehen. Es war ein Herzschlagfinale mit dem glücklicheren Ende für die Mittelfranken und zu deren 50-jährigen Punktspiel-Jubiläum ein außergewöhnliches Geschenk.

Den Aufstieg in die neu eingeführte deutschlandweite 2. Bundesliga haben die Hilpoltsteiner ihrer Ausgeglichenheit,  ihrer Doppelstärke und natürlich ihren Fans zu verdanken, die ihren Verein mit einem Schnitt von über 200 Zuschauer pro Spiel erneut zum „König der Herzen“ machten. 28:8 Siege im Doppel (Saarbrücken nur 18:18!) sind einfach überragend: Flemming/Christ (15:3) als das mit Abstand beste Doppel der Liga und Dickhardt/Bindhammer (13:5) als drittbeste Paarung ließen meist gleich zu Beginn eines Spiels die Herzen der Hilpoltsteiner höher schlagen und beruhigten die Nerven der Anhänger. Doch auch in den Einzeln überzeugten die Spieler trotz ihrer Skepsis gegenüber dem Vierer-Mannschaftssystem auf der ganzen Linie.

Alexander Flemming (19:10 Siege) und Nico Christ (17:10) gehörten im überaus starken vorderen Paarkreuz ebenso zu den Besten wie Dennis Dickhardt (19:5) und Felix Bindhammer (17:7) im hinteren Paarkreuz, wobei das Hilpoltsteiner Urgestein in der Rückrunde mit 9:2 Siegen das drittbeste Ergebnis aller Akteure erzielte und zu alter Stärke zurückfand. Bindhammer war es denn auch vorbehalten, mit seinem zweiten Sieg in Mühlhausen den Aufstieg perfekt zu machen und seinem Verein die Relegation zu ersparen.

Wie geht es weiter?

Petr DavidLeider hatte sich Bindhammer, der beste Spieler in der 50-jährigen Tischtennis-Geschichte seines Heimatvereins, schon früh festgelegt, bei einem Aufstieg nicht in der eingleisigen 2. Bundesliga spielen zu wollen: das Niveau dort sein ihm zu hoch, um mit „vernünftigem Aufwand“ mithalten zu können und vor allem seien ihm, der jeden Tag 70 km einfach zu seiner Schule fahren muss, die Reisen durch ganz Deutschland viel zu weit. Da ihn weder seine Mannschaftskameraden noch der Team-Manager zu diesem Zeitpunkt umstimmen konnten, musste sich der TV schon im März nach einer Alternative umsehen. Die Wahl fiel letztlich auf den viertbesten Spieler Liga: der 30-jährige Petr David (18:8 Siege) spielt seit sieben Jahren erfolgreich beim Post SV Mühlhausen, er wurde dreimal tschechischer Meister im Doppel, so auch bei den diesjährigen Landesmeisterschaften, bei denen er zudem den dritten Platz im Einzel erreichte. Der sympathische Linkshänder gilt im Doppel sogar als „erstligareif“, er ist verheiratet, hat eine Tochter und arbeitet als Nationaltrainer im Tischtenniszentrum in Ostrava. Dennoch hoffen die Hilpoltsteiner sehr, dass ihnen der „eigene Sohn“ Felix Bindhammer als Edel-Joker für die Bundesliga-Mannschaft und als „Mentor“ für seinen Nachfolger, das 12-jährige Ausnahmetalent Hannes Hörmann, erhalten bleibt. Hilpoltstein ohne Bindhammer – unvorstellbar!