Hilpoltstein (bb) – Wenn sie auf die Halbzeit-Tabelle der immer noch neuen eingleisigen 2. Bundesliga schauen, reiben sich sowohl die Tischtennis-Experten als auch die -Fans immer noch die Augen. Seit Mitte November steht der Aufsteiger TV Hilpoltstein ganz oben und geht als sensationeller Herbstmeister ins neue Jahr.
Eigentlich als einer der Abstiegsanwärter gehandelt, entwickelte sich das Team um Kapitän Alexander Flemming zum Favoritenschreck – und das auf eine Weise, die sogar langjährige Kenner der Szene verblüffte. Nur ein Spieler in der als „verschworener Haufen“ auftretenden Vierer-Mannschaft hat eine positive Bilanz vorzuweisen, der höchste Sieg gelang mit dem knappsten aller möglichen Ergebnisse (6:4) – und dennoch: der Blick auf die Tabelle verkündet die Realität, der TV Hilpoltstein hat vorerst alle Großen hinter sich gelassen.
Wie ist so etwas möglich? Das erst im dritten Jahr bestehende und ursprünglich als negativ angesehene System mit vier Spielern (anstatt vorher sechs) hat den Mittelfranken bei ihrem Siegeszug geholfen. Die Doppelstärke (insgesamt 13:5 Siege) und der überragende Neuzugang Petr David (mit 16:1 Siegen der erfolgreichste Spieler der Liga) reichten aus, um sechsmal in der Vorrunde über einen Erfolg zu jubeln. Nur zweimal mussten die Hilpoltsteiner ihrem Gegner gratulieren – und das auch noch in der heimischen Stadthalle, die mit rund 350 Zuschauern im Durchschnitt so gut gefüllt war wie noch nie und den TV Hilpoltstein zum „König der Herzen“ in der 2. Tischtennis-Bundesliga machte: Gegen den 1. FC Saarbrücken verlor man fast chancenlos mit 1:6 und zuletzt gegen Borussia Dortmund nach der Vergabe von mehreren Matchbällen etwas unglücklich mit 4:6.
Es war dennoch großer Sport im kleinen Hilpoltstein geboten. Wie Alexander Flemming (7:11 Siege) – der Leipziger fasziniert bereits im siebten Jahr seine Hilpoltsteiner Fans – schon verloren geglaubte Spiele nach fantastischen Ballwechseln noch umbiegt, das reißt die Zuschauer ein ums andere Mal von den Sitzen. Dem Kampfgeist von Nico Christ (3:14) sind gar fünf Punkte zu verdanken: in Jülich, in Passau und in Herne gewann der zweifache deutsche Meister (im Doppel und Mixed) die entscheidenden Spiele gegen bärenstarke Gegner – in der Rückrunde will er auch zu Hause gewinnen. Die Nervenstärke des Piloten Dennis Dickhardt (7:10) verblüfft auch seine Gegner – er entwickelte sich sechsmal zum „Überflieger“ und navigierte sein Team sechsmal zum entscheidenden sechsten Punkt.
In der Rückrunde müssen die Hilpoltsteiner umstellen. Petr David – der sympathische Tscheche ist ein wahrer Glücksgriff des Teamchefs – wird als neue Nr. 1 an die Tische gehen. Auch wenn er da ein paar Spiele mehr als in der Vorrunde verlieren sollte, wird sich an der Stärke des Hilpoltsteiner Teams nicht viel ändern, denn im für ihn neuen hinteren Paarkreuz sollte Nico Christ einer der besten Spieler und für eine hohe positive Bilanz gut sein.
Dennoch stapeln die Verantwortlichen im mittelfränkischen Lager nach wie vor tief: „Auf einen Abstiegsplatz haben wir in dieser verrückten Liga, in der jeder jeden schlagen kann, nur fünf Punkte Vorsprung, wir spielen also nach wie vor um den Klassenerhalt“, betonen die Abteilungsleiter Robert Nachtrab und Uli Eckert unisono. Der derzeit Klassenbeste geht also mit gedämpftem Optimismus ins neue Jahr – und das ist auch gut so: Wer weiß, was kommt.

