Am 25. Juli 1892 gründeten die Brüderpaare Fritz und Max Lindner sowie Otto und Willi Lorenz Hertha BSC. Die blau-weiße „Hertha' - ein Ausflugsdampfer auf Spree und Havel - stand dabei als Namensgeber Pate. Mit allen Wassern gewaschen ist auch die mit Abstand älteste Mannschaft der zweiten Liga. Phlipp Floritz (30), Jakub Koswowski (39), Fedor Kurzmin (38) und Torben Wosik (48) bringen es zusammen auf stattliche 155 Jahre. Doch Alter schützt vor Leistung nicht. Die illustre Truppe aus der Bundeshauptstadt brachte so manches Team gehörig ins Schwitzen und hatte auch den Hilpoltsteinern beim 5:5 im Hinspiel alles abverlangt.
Die hatten sich eigentlich auf einen ganz harten Kampf doch es kam gänzlich anders. Denn Berlin musste mit Philipp Floitz (verletzt) und Torben Wosik (krank) gleich auf zwei Stammspieler verzichten. Vor allem Floritz’ Ausfall wiegt schwer. Der Frontmann, der 2008 und 2009 selbst das gelb-schwarze Hilpoltsteiner Trikot getragen hatte fehlte ebenso wie der 69-fache Nationalspieler und EM-Zweite im Einzel (2003) Torben Wosik. Für die beiden schillernden Figuren kamen Ergänzungsspieler Hartmut Lohse sowie Benjamin Schulwitz, der im „richtigen Tischtennis-Leben“ in der sechstklassigen Verbandsoberliga Ost unterwegs ist, zum Einsatz. Bei allen Respekt: Die Personalien sorgen für eine komplett neue Statik innerhalb der Mannschaft.
Es war eine Steilvorlage für die Hilpoltsteiner, die zu keinem Zeitpunkt ernsthaft gefordert wurden. So entwickelte sich eine einseitige Partie. Schon in den Doppeln stellten Alexander Flemming, Andy Perreira, Petr Fedotov und Hermann Mühlbach die Weichen auf Sieg. So war die Spannung frühzeitig raus.
Auch in der Folge gewannen die Franken ihre Einzel mehr oder weniger deutlich. Flemming ließ dem ins obere Paarkreuz aufgerückten Russen Fedor Kuzmin, der einst Einzelbronze bei einer EM geholt hatte, ebenso wenig eine Chance wie Andy Perreira dem Polen Jakob Kosowski. Von Petr Fedotovs Partie gegen den völlig überforderten Benjamin Schulwitz ganz zu schweigen. Mehr als ein Satzgewinn war für die Gastgeber nicht drin.
Es deutete sich ein rasches Ende an, als Hermann Mühlbach beim Stande von 5:0 auf Hartmut Lohse traf. Im Hinspiel hatten sich beide noch einen Kampf auf Augenhöhe geliefert. Am Ende musst sich Mühlbach dem Berliner Eigengewächs unglücklich im finalen fünften Durchgang mit 11:13 geschlagen geben musste. Nicht so am Samstag., als die Partie beim 0:3 (5:11, 7:11, 10:12) zu einer recht einseitigen Angelegenheit für Lohse geriet. Auch, wenn es weh tut: Der 33-jährige Hilpoltsteiner Aufschlag-spezialist befindet sich im Herbst seiner Karriere und kann in seiner insgesamt 14. Zweitligasaison kaum noch an die früher gezeigten Leistungen anknüpfen. So sorgte Mühlbach, der im aktuellen Kalenderjahr noch kein Einzel gewonnen hat, unfreiwillig für den Berliner Ehrenpunkt.
Mehr ließ Hilpoltstein nicht zu, auch wenn Alexander Flemming im abschließenden Match kurzzeitig für Spannung sorgte. Und das auf eine geradezu typische Art und Weise. Flemming musste nach einem 0:2-Rückstand beim Stande von 7:10 bzw. 11:12 insgesamt vier Matchbälle abwehren, ehe er gegen den Polen Kowoski doch noch die Oberhand behielt.
Nach ziemlich genau zweieinhalb Stunden war die in einer für Tischtennis-Verhältnisse fast im Schnelldurchgang verlaufende Begegnung beendet. Wenn das Glück auf die Dauer nur der Tüchtige hat, wie ein deutsches Sprichwort vermuten lässt, dann waren die Hilpoltsteiner in dieser Saison sehr tüchtig.


