Hilpoltstein (bb) – Es ist eine doppelte Premiere: Die Tischtennis-Asse des TV Hilpoltstein spielen am Sonntag zum ersten Mal in der eingleisigen 2. Bundesliga. Zum ersten Mal spielen sie auch in Jülich, einer traditionsreichen Tischtennis-Hochburg in Nordrhein-Westfalen. Der TTC indeland Jülich, wie er seit geraumer Zeit heißt, war fast zwei Jahrzehnte lang (seit 1975) in der 1. Bundesliga und gilt als einer der renommiertesten Tischtennisvereine Deutschlands, in der letzten Saison war man Tabellendritter in der neu eingeführten bundesweiten 2. Liga.
Die Reise ist weit (über 500 km), und die Trauben hängen hoch. Doch nach ihrem überraschenden Pokal-Erfolg am letzten Wochenende in Herne fahren Flemming und Co durchaus optimistisch zu einem der Meisterschaftsfavoriten: „In dieser Liga gibt es nur schwere Gegner, Jülich ist einer davon“, unterstreicht Alexander Flemming, der neue Hilpoltsteiner Kapitän. Nico Christ, sein Pendant im vorderen Paarkreuz, ergänzt: „Wir fahren da ganz unbefangen hin, denn außer Hermann Mühlbach kennen wir keinen der Jülicher Spieler persönlich“.
In der Tat: Wenn sie nicht in der Bundesliga spielen, sind die Jülicher Cracks international unterwegs. Lauric Jean, 23, zum Beispiel ist nicht nur belgischer Nationalspieler und die Jülicher Nr. 1, sondern war auch wie Alexander Flemming Universiade-Teilnehmer in Südkorea, er hat zuletzt bei den Czech Open aber enttäuscht. Stetig aufwärts hingegen geht es mit Yoshihiro Ozawa, einem 21-jährigen japanische Nachwuchs-Talent, das in der letzten Saison mit 20:6 Siegen der beste Spieler im hinteren Paarkreuz war. Ozawa ist damit ins vordere Paarkreuz aufgerückt – sein dreiwöchiges Trainingslager in China wird ihn sicher nicht schlechter gemacht haben.
Hermann Mühlbach, 26, zusammen mit Flemming und dem Neu-Dortmunder Erik Botroff der beste aus Ostdeutschland stammende Spieler in der Bundesliga, ist in Deutschland nicht nur durch seine glänzenden Schläge bekannt, sondern auch durch seine Aufschläge: Er wirft den Ball so hoch, dass es mehrere Sekunden braucht, bis er wieder auf Tischhöhe ist. Mühlbach gibt als Beruf „Luxemburgischer Nationaltrainer“ (der Jugend) an – er ist ein Klassemann fürs hintere Paarkreuz – und ein sympathischer dazu. Allerdings ist auch er nicht unschlagbar. Nicht ganz so gut scheint die Jülicher Nr. 4 zu sein: Ewout Oostwouder, 22, hat sich in der letzten Saison im hinteren Paarkreuz schwer getan. Immerhin: Der junge Niederländer ist im Frühjahr Meister seines Landes geworden.
Im Hilpoltsteiner Lager setzt man auf die gute Form des vorderen Paarkreuzes mit Alexander Flemming und Nico Christ, die theoretisch gegen jeden Spieler in der Liga gewinnen können. Doch man weiß: Alle Theorie ist grau, wenn es in der schnellsten Ballsportart der Welt um die Wurst geht: Da darf man nicht mehr denken, sondern muss in Sekundenbruchteilen aus dem Gefühl heraus reagieren . Petr David, der 31-jährige Hilpoltsteiner Neuzugang, weiß das – und er kann das, wie seine blütenweiße Weste bei der für seinen neuen Verein so erfolgreichen Pokal-Vorrunde am letzten Wochenende gezeigt hat: Petr David hieß letztlich der Matchwinner.
Da auch Dennis Dickhardt, 27, bestens in Form ist, treten die Mittelfranken nicht chancenlos die weiteste Reise der Saison an. Letztlich wird es, so Flemming, auf die Doppel ankommen. Und da sind die Hilpoltsteiner – verstärkt mit Petr David, einem Linkshänder und glänzenden Doppelspieler – gut aufgestellt. Man wird sehen, wie die Premiere ausgeht: am Sonntag um 14 Uhr unter www.tvhiptt.de am Liveticker.

