Ein Desaster beim Saisonstart

Nach der Pokal-Pleite jetzt auch eine böse Bauchlandung beim Start in die Punkterunde: für die Tischtenniscracks des TV Hilpoltstein begann die siebte Bundesliga-Saison mit einer Katastrophe. Bei der Reserve des Erstligisten TTC Grenzau, von den meisten Vereinen der 2. Bundesliga als erster Absteiger getippt, gingen die Mittelfranken regelrecht unter. 9:2 hieß es am Ende des Alptraums für die Westerwälder – ganz Tischtennis-Deutschland reibt sich die Augen angesichts eines solchen Blamage für den TV.

Was war bloß los mit den vorher so optimistischen Burgherren? Hat die von Staus begleitete viereinhalbstündige Fahrt in die Tischtennis-Hochburg Grenzau – man schmückt sich sogar mit dem Titel Olympiastützpunkt – Kopf und Glieder der Hilpoltsteiner Spieler gelähmt? Oder hielten sie dem „Druck des Favoriten“ nicht stand? Ratlos, fassungslos und zunehmend hoffnungslos verfolgten Teamchef Bernd Beringer und die mitgereisten Fans das sportliche Desaster in den zwei Boxen.

Die Grenzauer, mit der fast identischen Mannschaft im letzen Jahr abgeschlagen Tabelleletzter und nur mit viel Glück in der 2. Liga verblieben, wussten nicht, wie ihnen geschah. Die Gäste verloren schon den Aufstellungspoker, denn sie setzten den verletzten Neuzugang Nico Christ ein, der seine zwei Einzel kampflos abgeben musste, während Youngster Manuel Hoffmann mit Felix Bindhammer das so wichtige Dreier-Doppel bildete. Doch dieser 15 Minuten vor Spielbeginn getroffene „Schachzug“ der Mannschaft um Kapitän  Alexander Möst ging, wie könnte es anders sein, „in die Hose“. Grenzau hingegen konnte seinen rumänischen Spitzenmann Adrian Dodean einsetzen, der entgegen der Hilpoltsteiner Erwartungen am Samstag zuschlug und nicht am Sonntag im Erstligateam.

Dennis Dickhardt

Hipoltsteins Nr. 4 - Dennis Dickhardt (Foto: Ammer)

Dennoch hätten die Hilpoltsteiner nicht verlieren müssen. Dazu hätten die so routinierten Tischtennis-Asse jedoch ihre Verkrampfungen und Blockaden im Kopf ablegen müssen. Beispiel Alexander Flemming: Der Hilpoltsteiner Spitzenspieler vergab in seinen beiden Spielen gegen Gilles Michely und Adrian Dodean wieder mal mehrere hohe Führungen, Satz- und Matchbälle. Oder Felix Bindhammer: Der Hilpoltsteiner Topspin-Spezialist agierte mehr im Rückwärts- als im Vordergang, weiche Knie lähmten in den entscheidenden Phasen seine Aktionen. Benni Rösner und Alexander Möst hecheln immer noch einem beträchtlichen Trainingsrückstand hinterher, der ihnen die Sicherheit raubt. Lediglich Dennis Dickhardt steigerte sich gegenüber dem Pokal und sorgte mit seinem Sieg gegen Dennis Müller und an der Seite von Alexander Flemming im Doppel fast im Alleingang für die zwei Hilpoltsteiner Zähler.

Ein tief enttäuschter Teamchef Bernd Beringer zog schon vor der Ankunft in Hilpoltstein um vier Uhr morgens erste Konsequenzen: In Zukunft wird er allein die Mannschaft aufstellen, verletzte Spieler kommen nicht mehr zum Einsatz, die Trainingsumfänge müssen deutlich erhöht werden. Ob’s was hilft, wird sich schon bei den nächsten viel schwereren Auswärtsspielen in Passau und in Weinheim sowie spätestens am 3. Oktober beim ersten Heimspiel gegen Pokalsieger Frickenhausen zeigen. Nach dieser Saison-Premiere mit unerwartetem Ausgang erschreckt aber erst mal das Abstiegsgespenst die Hilpoltsteiner Gemüter...

TTC Grenzau II – TV Hilpoltstein 9:2  Dodean/Müller – Rösner Möst 11:2, 11:8, 12:10; Michely/Schug – Flemming/Dickhardt 3:11, 11:5, 9:11, 9:11; Burger/Mengel – Bindhammer/Hoffmann 13:11, 11:4, 12:10; Dodean – Christ 11:1, 11:0, 11:0; Michely – Flemming 6:11, 11:9, 11:8, 7:11, 12:10; Müller – Dickhardt 6:11, 13:11, 8:11, 9:11; Burger – Rösner 11:8, 7:11, 7:11, 15:13, 11:6; Schug – Möst 7:11, 11:7, 11:9, 11:6; Wengel – Bindhammer 11:8, 13:11, 6:11, 6:11, 11:7; Dodean – Flemming 13:11, 5:11, 6:11, 11:6, 16:14; Michely – Christ 11:0, 11:0, 11:0.

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