Das Match hatte alle Zutaten zum Klassiker. Zwei gelbe Karten, ein Punktabzug, hitzige Diskussionen, vor allem aber unfassbare Ballwechsel prägten diese denk-würdige Partie, zweier Teams, die sich seit Wochen auf dem Höhenflug befinden. Die aktuelle Position der Saarländer täuscht gewaltig über die wahren Kräfteverhältnisse hinweg. Saarbücken, das neben Ochsenhausen und Düsseldorf zu den Hochburgen im Deutschen Tischtennissport zählt, war zur Winterpause noch auf einem Abstiegplatz gestanden. Eine Platzierung, die weder mit dem Selbstverständnis, noch dem sportlichen Konzept der Saarländer in Einklang zu bringen ist. ein Abstieg war und ist für den Verein definitiv keine Option.
Um die Liga zu halten, zog der FC die Reißleine und deckte sich auf dem Transfermarkt mit zwei ausgesprochen hochkarätigen Spielern ein. Vom Ligakonkurrenten TTC Jülich wurde der Japaner Hiromu Kobayashi – nicht verwandt und nicht verschwägert mit dem frisch gebackenen Skisprung-Olympiasieger – vom Erstligisten TTC OE Bad Homburg der 21-jährige Inder Manav Vikash Thakkar an die Saar geholt.
Und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Vor allem Thakkar legte mit einer beeindruckenden 8:1-Einzelbilanz den Grundstein für eine Serie. Mit starken 10 Zählern in der Rückrunde war das Thema Abstieg schnell abgehakt. Das Team musste sich nur Tabellenführer Mainz beugen, musste dabei freilich auf den Schweden Simon Berglund verzichten. Glück für Mainz, denn in Bestbesetzung dürfte Saabrücken nahezu unschlagbar sein.
Nahezu, So galt am Sonntag der erste Blick der Saarbrückener Aufstellung. Und siehe da. Die Mannschaft war komplett. An eine Wiederholung des Vorrunden-ergebnisses – im Oktober hatte Hilpoltstein noch mit 6:3 die Oberhand behalten – war unter diesen Umständen kaum zu denken. Doch Aufgeben stand noch nie auf der Hilpoltsteiner Agenda. So entwickelte sich ein unglaublicher Kampf.
Besondere Spannung versprachen die Begegnungen im vorderen Paarkreuz. Was die vier Akteure zeigten, gehört ganz sicher zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Andy Perreira verzaubert das Publikum mit seiner herausragenden Technik, Alexander Flemming mit seinem unnachahmlichen Fighting Spirit. Saarbückens Neuzugang Thakkar ist pfeilschnell und dürfte hierzulande noch für Furore sorgen. Auch Simon Berglund zeigte unglaubliche Qualität, als er beispielsweise einen Matchball gegen Perreira mit einem Punch aus gut drei Metern Abstand vom Tisch abwehrte. Leider zog er sich durch seine verdeckten Aufschläge, vor allem aber seine aufreizende Art den Zorn des Publikums zu. Unter dem Strich standen dem Fünf-Satzerfolg von Alex Flemming über Thakkar, drei äußerst knappe Niederlagen gegenüber.
So lief Hilpoltstein fast die gesamte Spielzeit einem Rückstand hinterher, ehe es im hinteren Paarkreuz zum Showdown kam. Petr Fedotov hatte auf 4:5 verkürzt, als Jugend-Nationalspieler und Eigengewächs Hannes Hörmann an der Reihe war. Seine spielerischen Fortschritte sind unübersehbar, doch er macht sich das Tischtennis-Leben selbst schwer. Gegen den Slowenen Peter Rhibar gab er neben den ersten Satz beinahe noch das Match aus der Hand. 10:6 führte er im alles entscheidenden fünften Durchgang, brachte den Vorsprung aber nicht ins Ziel und kassierte das 10:10, ehe er unter dem unbeschreiblichen Jubel mit 12:10 doch noch den Deckel draufmachte. So blieb der TV Hilpoltstein das achte Mal in Folge ungeschlagen – Vereinrekord.


