Hilpoltstein (bb) – Das dritte Spitzenspiel hintereinander: Die Tischtennis-Asse des TV Hilpoltstein befinden sich im Dauerstress. An diesem Sonntag ab 14 Uhr wollen sie die Stadthalle wieder zum Toben bringen. Das bayerische Derby gegen den Tabellendritten TSV Bad Königshofen, die erfolgreichste Mannschaft der Rückrunde (7:1 Punkte), verspricht erneut ein sportlicher Knüller vor vollem Haus zu werden.
Seit dieser Woche schauen Flemming und Co nur noch nach oben. Nach dem vor einigen Tagen verkündeten überraschenden Rückzug des TuS Fürstenfeldbruck – die Oberbayern haben ihren Hauptsponsor verloren und nach dieser Saison kein Geld mehr für den Bundesligasport – können die Hilpoltsteiner praktisch nicht mehr absteigen. Die logische Folge ist ein allerdings verwegenes neues Ziel: der Meistertitel!
Die Tabellenführung können die Mittelfranken schon am Sonntag im bayerischen Derby schaffen. Dazu ist ein Sieg gegen den unterfränkischen Vorzeigeverein zwingend, denn Königshofen hat sich, aus der Abstiegszone kommend, stetig nach vorne gearbeitet und lauert mit 15:11 Punkten auf den Sprung zur Tabellenführung. Den kann Königshofen bereits mit einem Unentschieden schaffen, denn man hat das beste Spielverhältnis von insgesamt vier Mannschaften mit dem gleichen Punktestand. Nur der Tabellenzweite Hilpoltstein (15:9 Punkte) – man hat ein Spiel weniger als Königshofen und zwei Begegnungen weniger als der diesmal spielfreie Erste Passau (16:12 Punkte) – kann den ehrgeizigen Unterfranken einen Strich durch die Rechnung machen.
Deren Rechnung beruht darauf, dass sie den leider dauerverletzten Nationalspieler Kilian Ort (19), der als Top-Talent mit einer Ausnahmegenehmigung des DTTB im vorderen Paarkreuz steht, regelmäßig die Spiele kampflos abschenken lässt, dem Gegner damit zwar zwei kampflose Punkte überlässt, aber verhindert, dass der tschechische Oldtimer Richard Vyborny (44, in der Rückrunde 3:2 Siege) aufrücken und der bisher glücklose bayerische Vizemeister Christoph Schüller (Vorrunde 1:9, Rückrunde 0:1) im Einzel eingesetzt werden muss. Schüller tritt meist nur im Doppel an und ist hier mit dem tschechischen Altmeister Marek Klasek (40, Rückrunde 5:0) durchaus konkurrenzfähig (2:2).
Star der Königshofener ist der Japaner Mizuki Oikawa (18), der mit seiner Bilanz von 10:5 in der Vorrunde und 7:1 in der Rückrunde zu den besten Spielern der bärenstarken Liga zählt. In der Vorrunde hat er gegen den Hilpoltsteiner Kapitän Alexander Flemming (Rückrunde 3:2) das Spitzenmatch allerdings verloren und damit den Hilpoltsteiner Sieg (6:4) erst möglich gemacht. Doch jetzt hat er seinen väterlichen Trainer Koji Itagaki neben sich und ist, so die Königshofener Macher, „ein ganz anderer Mensch und Spieler geworden“.
Der Schlüssel zum Erfolg wird für den TV Hilpoltstein wie so oft in den Doppeln und im hinteren Paarkreuz liegen. Nico Christ (3:2) und Dennis Dickhardt (2:3) befinden sich trotz ihrer unglücklichen Niederlagen zuletzt in Saarbrücken in guter Form. Auch Petr David (1:5) hat nach seinem Sieg gegen Leonardo Mutti, den bisher Besten der Liga, sein Match gegen Oikawa längst noch nicht abgeschrieben. Und wenn die Königshofener – man plant mittelfristig sogar einen Start in der 1. Liga – doch ohne Kilian Ort und stattdessen mit 70 Fans nach Hilpoltstein kommen? Dann werden die Karten ohnehin neu gemischt – Überraschungen eingeschlossen. Wer die fantastische Stimmung in der Hilpoltsteiner Stadthalle nicht live genießen kann, kann das Match ab 14 Uhr am Liveticker verfolgen.

