Hilpoltstein (bb) – Was Hilpoltsteins Tischtennis-Asse am vergangenen Sonntag nicht geschafft haben, können sie morgen nachholen: ein Sieg bei der TTC Ruhrstadt Herne im letzten Vorrundenspiel, und sie sind Herbstmeister in der eingleisigen 2. Bundesliga.
Für diesen inoffiziellen Titel kann man sich zwar nichts kaufen, aber in den Geschichtsbüchern macht er sich ausgesprochen gut – zumal kein Mensch den mittelfränkischen Amateuren einen solchen Coup inmitten einer Armada meist ausländischer Profis zugetraut hätte. Da sieht man wieder mal, was alles möglich ist im Sport – Überraschungen inklusive.
Speziell in dieser verrückten eingleisigen 2. Liga sind Überraschungen an der Tagesordnung. Jeder kann jeden schlagen – das mussten Flemming und Co am vergangenen Spieltag am eigenen Leib erfahren. Die 4:6-Niederlage gegen Borussia Dortmund kam zwar mit der Vergabe von fünf Matchbällen in zwei Begegnungen etwas unglücklich, aber nicht völlig unerwartet zustande. Denn bisher hatten die Hilpoltsteiner die knappen Spiele meist mit dem gleichen Ergebnis gewonnen. Dass diese sensationelle Siegesserie einmal reißen könnte – damit musste man rechnen.
So fahren die Franken durchaus mit einer gewissen Skepsis in die fast 500 Kilometer entfernte Ruhrstadt. Herne trägt zwar die rote Laterne, aber mit dem 5:5 zuletzt gegen den damaligen Tabellenführer Fortuna Passau hat man bewiesen, dass man selbst im Kampf gegen die stärksten Teams der Liga mithalten kann. Dennoch: Will man den Anschluss ans Mittelfeld nicht verpassen, muss ein Sieg her. Es geht also für beide Mannschaften um viel.
Für Herne geht es vielleicht sogar um die Existenz. Wenn das nur aus ausländischen Profis bestehende Team absteigen sollte, könnten in der nahe Dortmund gelegenen Stadt tatsächlich die Lichter im Spitzensport ausgehen. Vor drei Jahren spielte man sogar noch in der 1. Bundesliga, und nach dem freiwilligen Rückzug mitten in der Saison sah es ziemlich lange düster aus im grauen Ruhrpott. Doch der rührige Manager Arthur Schemp schaffte immer wieder den Kraftakt und stellte, wenn auch manchmal in letzter Sekunde, ein schlagkräftiges Team auf die Beine, das von dem erst 21-jährigen Serben Dragan Subotic angeführt wird. Der kann zwar, wie Nico Christ, bisher nur zwei Siege vorweisen (2:14), doch gerade gegen Passau wie auch im Pokalspiel gegen Hilpoltstein im August (2:3) zeigte er seine Stärke.
Das gilt auch für die Nr. 2, den 19-jährigen Ungarn Adam Szudi (8:7), der in den vergangenen Monaten einen großen Leistungssprung gemacht hat. Und dann ist da ja noch das japanische Supertalent Tikutu Izumo. Mit seinen erst 16 Jahren verblüffte er zuletzt die Passauer Routiniers Tomas Sadilek und Frantisek Krcil – die 4:2-Bilanz für so einen jungen Burschen ist beachtlich. Beachtlich auch das Spielvermögen von Uros Gordic (5:7), dem zweiten Serben im Team, gegen den zu siegen keine Selbstverständlichkeit ist. Dies gilt auch für die Doppel (7:9), so dass die Hilpoltsteiner Alex Flemming (6:10), Nico Christ (2:13), Petr David (14:1) und Dennis Dickhardt (6:9) trotz ihrer überragenden Doppelbilanz (12:4) wohl viel Schweiß verbrauchen müssen, um sich die Herbstmeisterschaft zu sichern. Das Spiel ist morgen ab 15 Uhr am Liveticker zu verfolgen.

