Hilpoltstein (bb) – Es ist ein unglaublicher Kampf um die Meisterschaft in der 2. Tischtennis-Bundesliga: Noch fünf Mannschaften können sich theoretisch den Titel holen. Der TV Hilpoltstein hat nach dem 6:0-Kantersieg im Bayern-Derby gegen den als Absteiger jetzt endgültig feststehenden TuS Fürstenfeldbruck zusammen mit dem TTC Jülich die besten Aussichten auf die Meisterschaft. Und am nächsten Sonntag kommt es in Hilpoltstein zum großen Showdown: Der Tabellenzweite (Hilpoltstein) empfängt den Ersten (Jülich) im vorgezogenen „Endspiel“.
Fürstenfeldbruck war für die Hilpoltsteiner noch nie ein angenehmer Gegner. In der Vorrunde gewannen die Mittelfranken zum ersten Mal gegen den oberbayerischen Traditionsclub: 6:4 hieß das knappe Ergebnis. Dass es jetzt ein 6:0 geben würde – damit konnte eigentlich niemand rechnen. Die Brucker mussten zwar auf ihren Jungstar Florian Schreiner verzichten – der Profi war schon auf dem Weg zu einem Turnier nach Chile -, doch „Ersatzmann“ Andras Podpinka, in Hilpoltstein ein alter Bekannter, hatte er hier doch schon zwei Jahre lang (2009-2011) gespielt, war nicht zu unterschätzen.
Die anderen Drei – Michal Obeslo (Weltranglistenplatz 150), Bojan Crepulia und Filip Cipin – sind alle gestandene Profis. Ein Sieg gegen solche Kaliber schien für die Hilpoltsteiner „Amateure“ vor dem Match nicht selbstverständlich zu sein. Doch Flemming und Co waren gut eingestellt. Schon die Doppel – man hatte im Hilpoltsteiner Lager sogar kurzfristig überlegt, sie umzustellen – zeigten unter dem Coaching von Hilpoltsteins Urgestein Felix Bindhammer, dass man gerade in dieser Disziplin zum Besten gehört, was es in Deutschlands zweithöchster Liga gibt.
Petr David mit seinem diesmal topfitten Partner Dennis Dickhardt hatten mit Podpinka/Crepulia kaum Probleme. Am anderen Tisch entwickelte sich derweil ein Duell, wie man es in Hilpoltstein selten gesehen hat. Alexander Flemming und Nico Christ zeigten besonders in der Schlussphase des vierten Satzes mit einigen Weltklasse-Ballwechseln, zu was sie fähig sind: Obeslo/Cipin hatten in einem sehenswerten Match knapp das Nachsehen.
Der immer besser werdende Neuzugang Petr David ließ anschließend dem Serben Crepulia nicht den Hauch einer Chance, und schon begann am Nebentisch das Match des Tages: Alexander Flemming gegen einen der Besten der Liga, Michal Obeslo. Der bärenstarke Tscheche bekam nicht nur die Kampfkraft des Hilpoltsteiner Kapitäns zu spüren, sondern auch dessen unglaubliche Fähigkeiten, in entscheidenden Momenten zu „explodieren“. Die Fans tobten – es war ein Fight zum „Mit-der-Zunge-Schnalzen“, und Flemming hatte am Schluss einfach die besseren Antworten auf die blitzschnellen Attacken des Weltklasse-Manns Obeslo. Da war der routinierte Coach Podpinka als Berater ebenso machtlos wie nach der Pause im Spiel gegen den viel schnelleren Nico Christ, der wieder mal zeigte, was er wirklich drauf hat.
Dennis Dickhardt hatte danach gegen den Kroaten Cipin nur im dritten Satz ein paar Probleme, dann war das Match vorbei, die Hilpoltsteiner Cracks tanzten, wie wenn sie schon Meister geworden wären. Doch das sind sie erst, wenn sie am nächsten Sonntag das Heimspiel-Finale gegen Jülich und eine Woche später in Dortmund gewonnen haben. Es bleibt also noch höchst spannend in der verrücktesten Bundesliga Deutschlands.

