Auch wenn die beiden sonntäglichen Gegner Jülich und Hilpoltstein mehr als 500 km trennen, so gibt es doch viele Parallelen zwischen den beiden Traditionsclubs im Tischtennis. Sowohl die Rheinländer als auch die Mittelfranken gehören seit vielen Jahren zu den festen Größen im deutschen Tischtennis. Beide Vereine verfügen über starke Nachwuchsarbeit und haben sich im oberen Tabellendrittel der aktuellen Bundesliga-Spielzeit etabliert. Die Tatsache, dass beide Mannschaften im neuerlichen Aufeinandertreffen auf jeweils einen ihrer Spitzenakteure verzichten mussten, schaffte am Sonntag eine weitere ungewollte Parallele. Während Jülichs Nummer eins, der Belgier Robin Devos, mit 24:6 Siegen im vorderen Paarkreuz der eifrigste Punktesammler der Liga, bei einem WTT-Smash-Turnier in Singapur weilte, verzichtete Hilpoltstein plangemäß auf den sympathischen Russen Petr Fedotov, der sich mit kompromisslosen Angriffsspiel und einer tollen Bilanz von 17:7 sehr schnell in die Herzen der Hilpoltsteiner Fans gespielt hat. Für ihn rotierte einmal mehr Hannes Hörmann ins Team. Der 19jährige Röttenbacher kehrte selbst erst am Samstag von einem WTT Youth Challenger-Turnier aus Portugal zurück, wo er sich im Nationaldress mit starken Auftritten bis ins Einzel-Viertelfinale spielte und nur knapp dem Italiener Andrea Puppo unterlag.
Doch das war es zumindest vorerst mit den Parallelen. Zu groß waren an diesem Tag die Leistungsunterschiede zwischen den beiden Teams. Schnell konnten die neu formierten Hilpoltsteiner Doppel Pereira/ Mühlbach und Flemming/ Hörmann mit ungefährdeten Siegen einen 2:0-Vorsprung erspielen, bevor Andy Pereira seinem belgischen Gegenüber Cnudde beim deutlichen 3:0 gerade einmal 16 Punkt gönnte. Für etwas Spannung sorgte Alex Flemming gegen den hochaufgeschossenen Ewout Oostwouder, als er einen 1:2-Satzrückstand hinterherlief, ehe er spielerisch eine Schippe auflegte und Oostwouder mit 3:2 besiegte und den TV zur Pause mit 4:0 in Führung brachte. Als nach der Pause dann auch Hermann Mühlbach gegen Jülichs Ersatzmann Barry Berben 3:1 und Hannes Hörmann gegen Laurens Tromer knapp mit 3:2 die Oberhand behielten, stand ein schnelles und sehr deutliches 6:0 für Hilpoltstein fest.
So resümierte dann auch die Jülicher Trainerlegende, Miro Broda, selbst über viele Jahre Nationalspieler und in der Bundesliga aktiv, konsterniert, dass es „ohne Robin Devos heute nicht viel für uns zu holen gab. Zudem waren sowohl Florian Cnudde als auch Laurens Tromer nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte, so dass dieses Auswärtsspiel für uns sehr depremierend war“.
Für Hilpoltstein indes war es das zehnte Spiel in Folge ohne Niederlage – eine Serie die es so für den TV noch nicht gab. Ob die Serie am kommenden Sonntag gegen Spitzenreiter 1. FSV Mainz hält oder ein jähes Ende findet, werden die Fans in der Stadthalle live miterleben können. Dann kommt es nämlich am vorletzten Spieltag zum Knaller zwischen dem Tabellenführer und dem Tabellenzweiten, dem TV Hilpoltstein, der sicher auch auf die Unterstützung seiner zahlreichen Fans bauen wird. „Jetzt wollen wir natürlich auch Mainz schlagen“, so Flemming euphorisiert von den jüngsten Erfolgen. Hierzu braucht es aber erneute Top-Leistungen, um gegen die favorisierten Mainzer bestehen zu können.


