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Ein unheimlich starker Abgang

Hilpoltstein (bb) – Zum ersten Mal in ihrer jetzt siebenjährigen Bundesliga-Geschichte ist den Tischtennisspielern des TV Hilpoltstein ein Sieg gegen den finanzstärksten Verein der 2. Liga gelungen. Der Post SV Mühlhausen, ohne seine Nr. 1 in die Burgstadt gereist, musste seine großen Meisterschaftsambitionen zwar schon seit längerem begraben, die 5:9-Niederlage in Mittelfranken tat dem erfolggewöhnten Starensemble aus Thüringen aber richtig weh.


Selten war der Jubel in der wieder gut besetzten Hilpoltsteiner Stadthalle größer. Doch wenn David Goliath besiegt, toben eben die Massen. Über 260 Zuschauer waren aus dem Häuschen, als Benjamin Rösner Jindrich Pansky, den berühmten tschechischen Vizeweltmeister im Doppel, in der Verlängerung des Entscheidungssatzes niedergerungen und somit den Siegpunkt erzielt hatte – Standing Ovations für ihn. Rösner verabschiedete sich damit als Matchwinner mit seiner bisher besten Leistung nach nur einem Jahr von seinem Publikum, das ihn gerne öfter so kämpferisch und nervenstark gesehen hätte wie am Ostersonntag.


Der zweite „Held des Tages“ war der erst 14-jährige Marcel Kutzner. Bei seinem Heimdebüt sorgte der Knirps an der Seite von Dennis Dickhardt gegen die Mühlhausener Doppel-Spezialisten Tang Bing/Pansky gleich zu Beginn des Matches geradezu für Begeisterungsstürme. Frech, unbekümmert und angstfrei düpierte er die „alten Hasen“ auf der anderen Seite ein ums andere Mal und sorgte mit seinem kongenialen Partner Dickhardt für eine der größten Überraschungen der Saison: es stand völlig unerwartet 1:0 für Hilpoltstein.


Später dann, in seinem Einzel gegen Routinier Pansky, bekam der kleine Kutzner schon ein bisschen Muffensausen, scheiterte wohl aber auch an seinen eigenen zu hoch gesteckten Erwartungen: der in vielen internationalen Schlachten gestählte ehemalige Weltklasse-Akteur Pansky ließ nichts anbrennen und siegte klar in drei Sätzen gegen den fast viermal so jungen Kontrahenten.


Im vorderen Paarkreuz der Hilpoltsteiner sorgte diesmal der vehement kämpfende Alexander Flemming für Furore. Seine klarer Erfolg gegen Petr David, der für den sich auf die Olympia-Qualifikation vorbereitenden Letten Mattis Burgis nach vorne gerutscht war, bedeutete die Revanche für die letztjährige Niederlage gegen den Tschechen. Doch erst sein toller Fight gegen den Chinesen Tang Bing riss die Fans von den Sitzen. Das schaffte kurz darauf auch der famose Dennis Dickhardt, als er nach zwei klar verlorenen Sätzen gegen den exzentrischen Björn Ungruhe das Ruder herumriss und Benni Rösner den Boden für dessen glanzvollen Abgang bereitete.


Es lag schon etwas Wehmut in der Luft, als Bundesliga-Boss Bernd Beringer zu Beginn eines großen Tischtennis-Nachmittags unter den Klängen der WM-Hymne nicht nur die beiden Mannschaften einmarschieren ließ, sondern auch die, denen die Zukunft gehört: die besten Talente des Vereins und des Kreises sowie die beiden „Neuen“ der kommenden Saison: Christoph Schmidl und Arne Hölter, beide 19 und beide bei der Jugend mit nationalen und internationalen Preisen überhäuft, werden die Bundesliga-Mannschaft des TV Hilpoltstein verstärken und Benjamin Rösner, 25, und den abwesenden Kapitän Alexander Möst, 30, ersetzen. Zukunft bringt Wandel mit sich, doch Wandel heißt auch Abschied.


TV Hilpoltstein – PSV Mühlhausen 9:5  Flemming/Christ – David/Schreyer 10:12, 11:3, 11:4, 8:11, 11:3; Dickhardt/Kutzner – Pansky/Tang Bing 13:11, 8:11, 11:5, 10:12, 11:7; Bindhammer/Rösner – Ungruhe/Theissmann 9:11, 11:6, 8:11, 13:11, 5:11; Flemming – David 13:11, 11:8, 12:10; Christ – Tang Bing 6:11, 10:12, 4:11; Dickhardt – Schreyer 11:0, 11:0, 11:0 (Verletzung); Bindhammer – Ungruhe 3:11, 8:11, 11:3, 7:11; Rösner – Theissmann 11;7, 11:3, 9:11, 11:7; Kutzner – Pansky 3:11, 8:11, 1:11; Flemming – Tang Bing 9:11, 8:11, 11:8, 11:7, 11:7; Christ – David 7:11, 4:11, 11:13; Dickhardt – Ungruhe 6:11, 1:11, 11:4, 11:9, 11:5; Bindhammer – Schreyer 11:0, 11:0, 11:0, Rösner – Pansky 12:10, 8:11, 12:10, 9:11, 12:10.