Hilpoltstein (bb) – Es ist das vorletzte Spiel der Saison, und noch hat der TV Hilpoltstein in der 2. Tischtennis-Bundesliga ein positives Punktverhältnis (17:15). Ob das nach dem Gastspiel der Mittelfranken beim ASV Grünwettersbach nicht mehr so ist oder ob man dem virtuellen Tabellenzweiten tatsächlich ein Ei ins Nest legen kann, wird sich am Ostersonntag zeigen, wenn Bindhammer und Co den Feiertag im wohlhabenden Karlsruher Vorort verbringen.
Gemütlich wird der Ausflug ins Badische auf keinen Fall, denn noch nie haben die Hilpoltsteiner beim Meister der letzten Saison gewonnen. Allerdings war’s meistens knapp in der engen, aber stimmungsvollen Halle des Schulzentrums. Auch diesmal ist Grünwettersbach (21:9 Punkte) Favorit – vor allem dann, wenn Kapitän Rade Marcovic, der sich vor zwei Wochen beim 9:6-Sieg in Passau verletzt hat und am letzten Wochenende bei der 4:9-Niederlage in Fürstenfeldbruck an allen Ecken und Ende gefehlt hat, wieder fit ist.
Sollte Markovic (bisher 15:9 Siege in der Mitte) jedoch erneut fehlen, könnte es eng werden. Bei der 6:9-Vorrunden-Niederlage haben die Hilpoltsteiner Cracks gezeigt, dass sie zumindest phasenweise auf Top-Niveau spielen können. Das Match zwischen Alexander Flemming (16:16 vorne) und dem Walliser Adam Robertson (19:9) wird keiner vergessen, der Ende September dabei war: Es war wohl das beste Tischtennisspiel, das je in der Hilpoltsteiner Stadthalle zu sehen war. Flemming verlor zwar nach Vergabe mehrerer Matchbälle mit 13:15 im fünften Satz, spielte sich jedoch spätestens da für immer in die Herzen der Hilpoltsteiner Zuschauer.
In Bestform zeigt sich derzeit der Deutsch-Chinese Lei Yang (21:7 Siege), deutscher Vizemeister 2008, als er nacheinander Jörg Roßkopf und Timo Boll aus dem Titelrennen geworfen hat. Gegen den „Chinesen-Killer“ Flemming sieht Lei jedoch meistens ein bisschen alt aus, doch auch Nico Christ (12:20) hatte in der Vorrunden zwei Matchbälle, und wenn er sie genutzt hätte, wäre es wohl die Vorentscheidung für Hilpoltstein gewesen. Am Sonntag hat Christ, der in Karlsruhe lebt, studiert und promoviert hat, quasi ein Heimspiel – vielleicht springt in der Halle, in der er öfter trainiert, sogar ein Pünktchen gegen die extrem starken Gegner heraus.
Wenn man davon ausgeht, dass Hilpoltstein mit Felix Bindhammer (15:9) und Christoph Schmidl (13:10) im hinteren Paarkreuz leicht favorisiert ins Rennen geht, dürfte die Entscheidung dieser prickelnden Begegnung in den Doppeln und im mittleren Paarkreuz fallen. Zwei Doppel für Hilpoltstein wären optimal, und in der Mitte hängt es davon ab, ob der norwegische Rekordmeister Geir Erlandsen (13:12), in der letzten Saison noch bester Spieler in diesem Paarkreuz, seine derzeitige Formschwäche (nur zwei Siege in den letzten acht Spielen) überwinden kann. Sollten Arne Hölter (13:17) und Dennis Dickhardt (13:15) ihren Aufschwung der letzten Zeit bestätigen, könnten die Hilpoltsteiner zumal dann einen kleinen Vorteil haben, wenn Marcovic fehlt und der Pole Marcin Miszewski (Mitte 1:5) aushelfen muss, der gegen Hilpoltstein selten gepunktet hat.
Doch Spekulation hat noch nie gewonnnen – die Wahrheit liegt auf dem Tisch. Und auf den müssen die Hilpoltsteiner mit großem Kampf mehr Bälle bringen als ihre Gegner. Oliver Kahn würde sagen: „Eier – Eier müsst ihr haben!“ Gerade an Ostern ein frommer Wunsch.

