Hilpoltstein (bb) – Der bizarre Höhenflug des TV Hilpoltstein geht weiter. Mit ihrem 6:4-Erfolg beim bisherigen Angstgegner TuS Fürstenfeldbruck gewannen die Mittelfranken bereits zum fünften Mal in dieser Saison mit dem knappsten aller möglichen Ergebnisse. Jetzt hat sich der als Abstiegskandidat gehandelte Überraschungs-Aufsteiger ganz oben in der neuen eingleisigen 2. Tischtennis-Bundesliga festgesetzt.
Noch nie hatten die fränkischen Tischtennis-Asse bei den Oberbayern gewonnen, meist trat man heftig geschlagen und mit hängenden Köpfen die Heimreise an. Doch diesmal fuhren Flemming und Co mit etwas breiterer Brust zur alten Jahn-Halle nach „Bruck“. „Wer beim Meisterschafts-Favoriten Passau gewinnt, muss sich auch vor Fürstenfeldbruck nicht fürchten“, gab der Teamchef als aufmunternde Parole aus.
Diese Zuversicht spürte man schon in den Doppeln, der großen Stärke des Hilpoltsteiner Teams. Und siehe da: Nach einer halben Stunden stand es 2:0 für die Gäste, nur David/Dickhardt mussten einen Satz abgeben. Und als Alexander Flemming gegen den Profi Florian Schreiner, als früherer deutscher Jugendmeister eines der größten TT-Talente der Republik, glatt gewonnen hatte, war der Jubel der rund 20 mitgereisten TV-Fans groß: 3:0.
Nach der nicht unerwarteten Niederlage von Nico Christ gegen den Brucker Neuzugang Michal Obeslo, einen der drei besten Spieler der Liga, hatte Dennis Dickhardt gegen den starken Bojan Crepulia die Vorentscheidung auf dem Schläger: Nach gewonnenem zweiten Satz führte der Pilot gegen den Profi 10:7 im dritten Durchgang, doch der Satzball wollte einfach nicht glücken – fünf Punkte in Folge für den Serben ließen die Herzen der über 100 Fürstenfeldbrucker Fans wieder schneller schlagen.
Am Nebentisch rieb sich derweil Petr David, der erfolgreichste Akteur der gesamten Liga (jetzt 12:1 Siege), verwundert die Augen: Der „Brucker Kroate“ Philipp Cipin spielte auf, als wollte er demnächst Weltmeister werden. Eine krachende Vorhand nach der anderen schlug auf Davids Seite ein, selbst in den Rückhand-Duellen, eigentlich die Stärke des Tschechen im Hilpoltsteiner Trikot, machte der wieselflinke kleine Cipin häufig Punkte. Petr David musste auf größten Kampfmodus schalten – und gewann nach Rückstand noch mit 3:2.
Nico Christ hatte nach seiner fantastischen Leistung im Doppel, als er sogar mitten in einem großartigen Ballwechsel in größter Not den Schläger von der rechten in die linke Hand wechselte und den Punkt machte, auch gegen Florian Schreiner nicht die besten Nerven. Und nachdem auch Alexander Flemming trotz einiger Zauberbälle gegen den eleganten Tschechen Michal Obeslo nicht gewinnen konnte, drohten dem TV Hilpoltstein doch noch die Felle davon zu schwimmen: Es stand plötzlich 4:4.
Aber die Gäste hatten ja noch ihr hinteres Paarkreuz. Fast im Gleichschritt entnervten Petr David und Dennis Dickhardt ihre Gegner Bojan Crepulia und Philipp Cipin. Nach dem 11:9 im vierten Satz stieß Petr David seine Siegerfaust in die Luft, fünf Sekunden später war Dennis Dickhardt dran: Mit einer unglaublichen Lockerheit und wie wenn’s nichts wäre, düpierte der Matchwinner der letzten Spiele den gewiss nicht schlechten Cipin. Erneut Freudentänze in der Hilpoltsteiner Box und im Fanblock, das Hilpoltsteiner Tischtennis-Wunder setzt sich fort – nun ist man sogar Tabellenführer.

