Hilpoltstein (bb) – Das gab es noch nie in der zehnjährigen Bundesliga-Geschichte des TV Hilpoltstein: Die Tischtennis-Cracks aus Mittelfranken sind Herbstmeister. Das „freudige Ereignis“ geschah zwar „nur“ in der neu formierten 3. Bundesliga, deren Spitzenteams jedoch ausnahmslos Zweitliga-Erfahrung haben und deshalb wahrlich nicht von schlechten Eltern sind.
Die Favoriten auf den Titel (nur für ihn kann man sich am Ende was kaufen) tragen immer noch andere Namen – Namen, die in der Tischtenniswelt einen Klang haben: Saarbrücken und Mühlhausen. Deren Erstliga-Mannschaften – und mit ihnen die Reserveteams – trainieren täglich unter höchst professionellen Bedingungen mit Spitzentrainern, sie haben ganz andere Etats zur Verfügung, und ihre Trainingspartner gehören fast ausnahmslos der erweiterten Weltklasse an. Die vier Hilpoltsteiner Musketiere – alles deutsche „Amateure“ – gehen täglich ihrem Beruf nach, bzw. rennen in die Universität, um dort ihren Master zu machen, sie sind statt Tischtennis-Profis „Akademiker mit guten sportlichen Abschlüssen“.
Umso erstaunlicher, dass dem TV Hilpoltstein gegen die renommierten und in Bestbesetzung angetretenen Profi-Vereine zwei glanzvolle Siege gelangen: Der 1. FC Saarbrücken wurde in eigener Halle ebenso mit 6:4 bezwungen wie zuletzt der Post SV Mühlhausen vor 290 Zuschauern in der Hilpoltsteiner Stadthallen-Arena.
Wie das möglich war? In erster Linie durch einen großen Mannschaftsgeist und eine immense kämpferische Einstellung, wie man sie in Hilpoltstein bisher selten sah. Dass auch Glaube Berge versetzen kann, sieht man an den beiden Unentschieden: Gegen Stuttgart lag das Bindhammer-Team mit 0:3 zurück, in Mainz gar mit 2:5. Und obwohl der Gegner seine jeweils beste Saison-Leistung bot, kämpften die Hilpoltsteiner bis zum Umfallen – und wurden belohnt. Sie sind nach wie vor ungeschlagen und führen die Halbzeit-Tabelle mit einem Punkt Vorsprung vor Saarbrücken und Mühlhausen an.
Aber auch ihren Trainingsumfang haben die Tischtennis-Cracks aus der Burgstadt gegenüber der etwas verkorksten letzten Saison in der 2. Bundesliga beträchtlich erhöht. So stehen Alexander Flemming (9:6 Siege), Nico Christ (9:6), Dennis Dickhardt (12:2) und Kapitän Felix Bindhammer (8:5) allesamt mit positiver Bilanz da. Glanzstück des Teams sind jedoch die Doppel. Flemming/Christ (8:1) und Dickhardt/Bindhammer (6:3) sind das Non-Plus-Ultra in einer Liga, die sich sportlich zumindest in der Spitze doch etwas besser entwickelt hat, als von Skeptikern befürchtet.
Die sicher ebenso spannende Rückrunde wirft bereits ihre Schatten voraus. Ihr Heimspiel gegen Bayern München am 11. Januar um 14 Uhr haben die TV-Verantwortlichen nach Beratzhausen vergeben, wo – ca. 60 km von der Burgstadt entfernt – der dortige TTV anlässlich seines 35 jährigen Bestehens eine große Benefiz-Veranstaltung aufzieht. Danach haben die Tischtennisfans aus der Region noch fünfmal Gelegenheit, die Ballkünstler aus Hilpoltstein in der Stadthalle zu bewundern und für einen neuen Besucherrekord zu sorgen. Verdient hätten ihn Bindhammer und Co allemal.

