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Besser ein guter Kopf als eine goldene Hand

Hilpoltstein (bb) – Wer meint, man braucht nur ein „goldenes Händchen“, um gut Tischtennis zu spielen, der irrt. Man braucht vor allem einen guten Kopf. Jüngstes Beispiel für diesen alten Hut: der TV Hilpoltstein. Nach glänzendem Beginn, einer kämpferischen Einstellung und 2:1-Führung nach den Doppeln verlor der Zweitligist sein Auswärtsspiel beim bärenstarken Tabellenzweiten TTC Frickenhausen deutlich mit 3:9.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Flemming/Christ und Dickhardt/Bindhammer siegten in fünf Sätzen, und Hölter/Schmidl hatten gegen das Frickenhausener Spitzendoppel Yoshida/Qiu Dang die ersten beiden Sätze nach tollen Ballwechseln klar gewonnen. Würde Hilpoltstein gar mit 3:0 in Führung gehen? Nix wurde es mit der Sensation: Die beiden 20-jährigen Hilpoltsteiner verloren plötzlich – niemand weiß warum – völlig den Faden und noch das ganze Spiel.

Doch noch war alles drin. Nico Christ kämpfte wie ein Löwe gegen den überragenden japanischen Shootingstar Masaki Yoshida und hatte im vierten Durchgang sogar zwei Satzbälle zum Ausgleich. Die jedoch wehrte Frickenhausens Nr. 1 in beeindruckender Manier ab und hatte dann das Glück des Tüchtigen: mit 14:12 musste sich Christ geschlagen geben.

Am Nebentisch machte es Alexander Flemming noch spannender. Er führte im Entscheidungssatz gegen den Serben Sel fast immer mit drei Punkten Vorsprung – bis auf die Endphase, als er ein bisschen zaghaft agierte, sogar einen Fehlaufschlag machte und plötzlich 7:9 zurücklag. Dann noch mal das Aufbäumen, 10:9 – Matchball für Flemming. Das folgende Schupfball-Duell endete mit einem „tödlichen“ Netzroller von Zolt Sel. Flemming war bedient – die beiden nächsten Punkte, es waren die Siegbälle, gab der sympathische Sachse im Hilpoltsteiner Trikot nach einfachen Fehlern ab. Totenstille auf der Hilpoltsteiner Bank.

Im mittleren Paarkreuz dann ein ähnliches Bild: Arne Hölter und Dennis Dickhardt agierten gegen das deutsch-chinesische Brüderpaar Qiu auf Augenhöhe. Doch wenn’s eng wird, versagt der Kopf. Kein Mut, keine Siegeszuversicht, zu passives Spiel, warten auf die Fehler des Gegners – so kann man knappe Matches nicht gewinnen. Nach seiner zweiten Fünf-Satz-Niederlage an diesem Tag kündigte der unglückliche Hölter, der ja so viel besser Tischtennis spielen kann, als er derzeit zeigt, den Gang zum Psychologen an. Zeit wird’s.

Eher zum Arzt hätte Felix Bindhammer gehen sollen. Mit einem grippalen Infekt angereist, konnte der Hilpoltsteiner Kapitän seinen bisherigen Siegeszug gegen den Frickenhausener Ersatzmann Jaka Golavsek nicht fortsetzen; ihm fehlten am Schluss Kraft und Konzentration. Beides hatte der eigentlich gesunde Christoph Schmidl völlig zu Hause gelassen. Er war der Einzige, der es nicht spannend machte. Das glatte 0:3 gegen den keineswegs unschlagbaren Littauer Alfredas Udra läutet hoffentlich nicht auch beim zweiten Neuzugang eine Kopfschwäche ein.

Einen richtig guten Kopf hatte auf Hilpoltsteiner Seite nur Nico Christ. Vor den Augen seiner nicht weit entfernt wohnenden Eltern zeigte der Doktorand, dass er an einem guten Tag auch ganz gute Gegner schlagen kann. Das war Sel durchaus, doch gegen den entfesselt aufspielenden Christ hatte er keine Chance. Schade, dass nicht alle Hilpoltsteiner so selbstbewusst waren wie Christ – sonst hätte man ja das machen können, woran wohl vor dem Spiel keiner ernsthaft geglaubt hatte: in Frickenhausen Punkte holen.


 

 

TTC Frickenhausen II – TV Hilpoltstein 9:3  Yoshida/Qiu Dang – Hölter/Schmidl 9:11, 7:11, 11:3, 11:6, 11:8; Sel/Qiu Liang – Flemming/Chist 11:3, 7:11, 4:11, 15:13, 6:11; Qiu/Jian Xing/Udra – Dickhardt/Bindhammer 9:11, 12:10, 11:7, 6:11, 7:11; Yoshida – Christ 11:7, 11:13, 11:7, 14:12; Sel – Flemming 9:11, 11:6, 9:11, 11:7, 12:10; Qiu Liang – Dickhardt 11:8, 6:11, 6:11, 11:9, 11:8; Qiu Dang – Hölter 11:7, 11:9, 10:12, 7:11, 11:8; Udra – Schmidl 11:8, 11:4, 11:5; Golavsek – Bindhammer 6:11, 11:9, 11:7, 7:11, 11:8; Yoshida – Flemming 11:4, 13:11, 11:8; Sel – Christ 8:11, 7:11, 11:7, 5:11; Qiu Liang – Hölter 8:11, 5:11, 11:5, 11:8, 11:5.