Unerwarteter Kantersieg gegen Fulda

(bb) – Die Superlative wollten überhaupt nicht enden: Der höchste Sieg in der Bundesliga-Geschichte, 3:0 nach den Doppeln, 6:1 in Führung, am Schluss ein unglaublicher 9:2-Sieg gegen die Erstliga-Reserve des TTC Rhönsprudel Fulda-Maberzell. Die Tischtennis-Cracks des TV Hilpoltstein erlebten einen einzigartigen Feiertag.

Landrat Herbert Eckstein und Bürgermeister Markus Mahl staunten nicht schlecht, als sie sich ca. 100 Minuten nach Spielbeginn unter die knapp 300 Zuschauer in der Hilpoltsteiner Stadthalle mischten. Wie manch andere Tischtennis-Experten trauten sie ihren Augen nicht, als sie auf die Anzeigentafel blickten. Ihre „Helden“ führten haushoch – erstmals in der vierjährigen Bundesliga-Geschichte des Vereins.

Ausschlaggebend für die klare Führung gegen einen keineswegs schlechten Gegner war die sensationelle Leistung von Philipp Floritz und Alexander Möst gegen die wohl beste Doppel-Paarung der Liga. Der eingedeutschte Chinese Meng, Qing Yu, in der deutschen Rangliste an Nr. 3 geführt, und sein Partner Michal Dziubanski, ein ehemaliger polnischer Nationalspieler, schüttelten trotz langjähriger Erstliga-Erfahrung immer wieder mit dem Kopf angesichts der Zauberbälle, die ihnen da um die Ohren flogen. Vor allem Jung-Nationalspieler Philipp Floritz feuerte ganze Breitseiten fantastischer Rückhandschüsse ab – aus der Hüfte, vom Boden, quer in der Luft liegend, zeitweise traf der 17-Jährige alles, was sich auf ihn zubewegte. Das Überraschende: Sein Partner Alexander Möst stand ihm kaum nach. Dessen unbandiger Kampfgeist ließ das Hilpoltsteiner Duo immer wieder hohe Rückstände wettmachen, so dass am Schluss ein hauchdünner Fünf-Satz-Erfolg gegen das Einser-Doppel aus Fulda stand. Die Halle tobte – es sollte nicht das letzte Mal an diesem denkwürdigen Nachmittag sein.

Vor allem der 44-jährige Tomas Demek wehrte gegen seinen fast gleichaltrigen Gegner Hans-Jürgen Fischer mehrere Matchbälle ab und zeigte am Schluss einer grandiosen Begegnung sogar die besseren Nerven als der pfiffige Fischer, der früher einmal einer der besten deutschen Tischtennisspieler war. Auch in seinem ersten Einzel zeigte Philipp Floritz, wozu er an einem guten Tag fähig ist. Meng, Qing Yu, der erfahrene Fuchs aus Fulda, sprach nach seinem etwas glücklichen Fünf-Satz-Erfolg gegen Floritz voller Hochachtung von seinem Gegenüber: „Der Junge kann’s“.

Den Vogel schoss jedoch Hilpoltsteins neue Nummer 1 ab. Alexander Flemming, stets leidenschaftlich kämpfender Sympathieträger aus Sachsen, bezwang in einem Herzschlag-Finale bester Güte Meng, den vermeintlich besten Spieler der Liga, mit 3:2 Sätzen. Obwohl ihm in den Sätzen 3, 4 und 5 immer wieder haushohe Führungen entglitten, biss sich der 22-jährige Leipziger Student durch ein jederzeit hochkarätiges Match und besiegelte seine großartige Leistung mit einem völlig unerwarteten Sieg. Da fiel der einzige Wermutstropfen an diesem Nachmittag, die unnötige Niederlage von Felix Bindhammer gegen Gäste-Ersatzmann Arno Kosler, kaum ins Gewicht. Am Schluss gab es verdiente Standing Ovations für ein Hilpoltsteiner Team, das wieder einmal Tischtennis-Geschichte geschrieben hatte.

TV Hilpoltstein – TTC Rhönsprudel Fulda-Maberzell 9:2 Demek/Flemming – Otto Kosler 11:7, 11:7, 11:6; Floritz/Möst – Meng/Dziubanski 9:11, 8:11, 13:11, 13:11, 11:9; Podpinka/Bindhammer – Fischer/Mähner 11:6, 7:11, 11:8, 11:6; Flemming – Otto 10:12, 9:11, 11:5, 11:5, 11:1; Floritz – Meng 5:11, 12:10, 12:14, 11:8, 4:11; Podpinka – Dziubanski 11:8, 11:13, 11:7, 6:11, 11:5; Demek – Fischer 11:5, 9:11, 7:11, 11:9, 12:10; Bindhammer – Kosler 11:6, 6:11, 11:13, 8:11; Möst – Mähner 10:12, 11:8, 10:12, 11:7, 11:5; Flemming – Meng 11:6, 11:3, 9:11, 9:11, 11:8; Floritz - Otto 8:11, 11:7, 11:2, 11:9.